Instruktoren als Beobachter im Maurice-Lemaire-Tunnel

  02. Oktober 2014

Verschiedene Tunnelanlagen zu besichtigen und als Beobachter an Übungen teilzunehmen, gehört zum Arbeitsalltag von Instruktoren der International Fire Academy. Bei diesen Fachexkursionen reflektieren sie die Vermittlung der Lehre anhand der individuellen Situationen vor Ort und erhalten Erfahrungsberichte aus der Praxis. Eine solche Exkursion unternahmen Marianne Wernli, Leiter Ausbildung, Marcel Schleuniger und Ulrich Roth als hauptamtliche Instruktoren sowie Miliz-Instruktor Federico Ferrario am 2. Oktober auf Einladung von APRR (Autoroutes Paris-Rhin-Rhône), der Betreiberin des Maurice-Lemaire-Tunnels nach Lusse.

Tunnelereignisse aus Sicht der Betreiber

Zunächst hatten die Instruktoren Gelegenheit, sich bei einer Besichtigung der Tunnelüberwachungszentrale des Maurice-Lemaire-Tunnels mit dem Tunnelpersonal über die Situation in den ersten Minuten eines Ereignisses aus Betreibersicht auszutauschen. Vor der Tunnelübung am Abend waren sie zu Gast bei der Feuerwehr SDIS 88 in Saint Dié. Am zweiten Tag standen schliesslich ein Besuch des Magazins der Feuerwehr Val d'argent sowie der Feuerwehr SDIS 68 Haut Rhin mit ihrer Einsatzleitstelle in Colmar auf dem Programm.

Szenario mit Brandbekämpfung und Rettung

An der Tunnelübung im Maurice-Lemaire-Tunnel waren die Feuerwehren SDIS 68, SDIS 88 Vosges, die Sicherheitsdienste des Staates und der private Betreiber APRR beteiligt. APPR stellt 24 h/365 Tage im Jahr vor beiden Tunnelportalen je ein Fahrzeug mit Personal für Einsätze bereit. Bei den Szenarien ging es schwerpunktmässig um die Brandbekämpfung an Personenwagen. Dazu wurde an jedem Tunnelportal eine eigenständige Einsatzübung durchgeführt. Ergänzend mussten Personen über den Sicherheitsstollen mit einem speziellen Evakuierungsfahrzeug (Navette) gerettet werden, das mit zwei Führerständen schnelle Rettungseinsätze ohne zeitaufwendiges Wenden ermöglicht.

Monatlich eine Übungsnacht im Tunnel

Einmal pro Monat haben die Feuerwehren am Maurice-Lemaire-Tunnel die Möglichkeit zu einer Übung, wenn der Tunnel für zwei Nächte zur Reinigung gesperrt wird. Dadurch ist ein regelmässiger Übungsbetrieb am Objekt möglich. Ergänzend zu den Einzelübungen an jedem Portal empfehlen die Instruktoren der International Fire Academy Szenarien, die ein gemeinsames Vorgehen der beiden Feuerwehren erfordern. Abstimmung und Kommunikation werden so überprüft und ggf. verbessert, was für einen Einsatz von zentraler Bedeutung ist.

Ausbildung an der International Fire Academy

Für die beiden Feuerwehren schloss sich an die Übung im Maurice-Lemaire-Tunnel die jährliche Ausbildung an der International Fire Academy an. An dem zweitätigen Kurs vom 30. bis 31. Oktober 2014 nahmen 19 Feuerwehrangehörige und zwei Gäste teil.

Einer der längsten Tunnel Frankreichs

Der Maurice-Lemaire-Tunnel war ursprünglich ein Bahntunnel an der Strecke Sélestat, Lesseux-Frapelle und Saint Dié. Seit 1976 wird die Route nationale 59 durch den umgebauten Tunnel geführt, wodurch seinerzeit der längste Strassentunnel Frankreichs entstand (6 872 m). Etwa 40 % der 3 400 Fahrzeuge pro Tag sind LKW. Gefahrguttransporte sind nicht zugelassen.

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