Intensivkurs für Feuerwehren aus Asien

  16. Oktober 2015

Erstmals hatte die International Fire Academy für den Herbst 2015 einen Intensivkurs mit Arbeitssprache Englisch ausgeschrieben. Alle Teilnehmenden kamen aus Asien. Die Herausforderung für die Instruktoren lag damit weniger in der Übersetzung der Kursinhalte als in der Frage, ob das europäische Vorgehen mit seinen Taktiken und Techniken zu Feuerwehren aus diesen Kulturkreisen passen wird.

Das Selbstverständnis der Feuerwehren verbindet

Aus drei ganz unterschiedlichen Ländern kamen die Teilnehmer des ersten englischen Intensivkurses für die Brandbekämpfung in Bahn- und Strassentunneln. Allen gemeinsam ist die Funktion als Ausbilder. Aus Hongkong reisten Mitarbeiter der Fire Services Training School und des Fire Safety Command (Railway Development Strategy Division) an. Die Teilnehmer aus Singapur gehören der Aviation Academy (School of Airport Emergency Services) an. Aus Abu Dhabi kamen Angehörige der Police & Civil Defence Academy.

 Die kulturellen Unterschiede wurden eher am Rand der Ausbildung deutlich, etwa in den Pausen und bei den Mahlzeiten. Im Kurs fanden sich die Teilnehmenden auf der Basis der gemeinsamen Werte, Ideale und Denkweise der Feuerwehr sehr schnell als Gruppe zusammen. Auch mit der zur Verfügung gestellten Ausrüstung und Technik waren sie trotz mancher Unterschiede bald vertraut. Völlig neu waren eher Details wie beispielsweise das Signalhorn als Redundanz zum Funk.

Englisch als vereinbarte Kurssprache genügte zunächst nicht für eine reibungslose Zusammenarbeit, da es im Sprachgebrauch deutliche Unterschiede gab. Diese konnten gleich zu Beginn der Ausbildung ausgeglichen werden, indem sich alle Teilnehmende und die Instruktoren auf ein gemeinsames Fachvokabular einigten.

Arbeit lief Hand in Hand

Eine neue Herausforderung lag in der vergleichsweise kleinen Gruppe. So mussten bei einzelnen Einsatzübungen offene Teampositionen von Instruktoren der International Fire Academy besetzt werden. Damit wurde die sonst übliche Distanz zwischen Lehrenden und Kursteilnehmenden aufgehoben, und die Instruktoren stellten sich unmittelbar auf die asiatischen Kollegen und ihre Vorgehensweise ein. "Die Zusammenarbeit hat sehr gut funktioniert und war für uns eine spannende und wertvolle Erfahrung", resümiert Marianne Wernli, Leiter Ausbildung der International Fire Academy, die als Kurskommandant den Kurs verantwortete.

Hongkong prüft Übernahme der Taktik

Auch beim generellen Vorgehen und den Techniken gab es keine wesentlichen Unterschiede. Einzelne taktische Elemente waren für die Kursteilnehmenden neu. So fand der Zwei-Seiten-Angriff grosses Interesse. Unter anderem dieses Element überzeugte die Teilnehmenden des Hong Kong Fire Service. Sie kündigten bereits an zu prüfen, ob sie die Einsatztaktik der International Fire Academy übernehmen werden. Beim Austausch darüber, inwieweit die Lehre übertragbar ist, kam es zu der unerwarteten Erkenntnis, dass sich die Führungsstrukturen der Feuerwehren in Hongkong und der Schweiz praktisch nur in den Bezeichnungen unterscheiden.

Austausch über Fragen der Didaktik

Insbesondere die Ausbilder-Kollegen nutzen die Kursabende für einen angeregten Austausch über Didaktik. Auch hier zeigte sich, dass die grundsätzlichen Fragestellungen in allen Ländern die gleichen sind. So war die möglichst ideale Mischung und Abfolge von Theorie und Praxis ein zentrales Thema.

Erstaunt waren einige Kursteilnehmenden über das Schweizer Verständnis von Pünktlichkeit und Präzision. Was zunächst ungewohnt war, schätzten sie nach den ersten Kurseinheiten als hilfreich. Insgesamt wurde die Vermittlung als professionell und respektvoll anerkannt. Der gemeinsame Intensivkurs erwies sich für alle Teilnehmenden als sehr gutes Angebot, um sich mit dem an der International Fire Academy gelehrten Vorgehen bei Tunnelbrand-Einsätzen vertraut zu machen.

Kursangebot soll fortgesetzt werden

Interessenten für einen zweiten englischsprachigen Intensivkurs Strasse & Bahn können sich bei Markus Vogt melden. Eine Kursbeschreibung steht hier als Download bereit.

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