Kommandanten-Forum zu Bau und Sanierung von Tunneln

  16. Dezember 2013

Die Bau- oder Sanierungsphase eines Tunnels stellt für den abwehrenden Brandschutz eine aussergewöhnliche Herausforderung dar, die nicht durch den Regelbetrieb einer kommunalen Feuerwehr abgedeckt werden kann. So lässt sich ein zentrales Ergebnis des Kommandanten-Forums der International Fire Academy im Herbst 2013 zusammenfassen.

Rund 50 Vertreter von Feuerwehrschulen und Aufsichtsbehörden sowie Kreisbrandmeister und Angehörige von Tunnelfeuerwehren aus Österreich, Deutschland und der Schweiz diskutierten anhand von Praxisfällen mögliche Formen der Organisation des abwehrenden Brandschutzes in der Bau- oder Sanierungsphase von Tunnels. Ihr Fazit: Im Grundsatz sollte die Rettung von Bauarbeiterinnen und Bauarbeitern durch eine eigene Rettungswehr der jeweiligen Bauunternehmen sichergestellt werden. Diese ist entsprechend auszubilden. Sofern eine kommunale Feuerwehr diese Aufgaben übernimmt, bedarf es auch für sie einer speziellen Ausstattung und Ausbildung sowie einer ausreichenden Vorbereitungszeit. Einhellig kritisiert wurde das häufig sehr kurzfristige Einbeziehen der Feuerwehren in die Planung und Vorbereitung von Bau- oder Sanierungsmassnahmen. Dabei sei mindestens ein Jahr Vorlaufzeit erforderlich, um eine für alle Beteiligten gute Lösung erarbeiten zu können.

Die Praxisfälle, die im Kommandanten-Forum diskutiert wurden, gaben einen Einblick in die aktuelle Situation in Baden-Württemberg, wo sich die Landesbranddirektion für die Einführung von Standards einsetzt. Im Einzelnen wurden folgende Beispiele vorgestellt und diskutiert:

  • Rettungswehr, Organisation und Ausbildung. Zusammenarbeit mit der örtlich zuständigen Feuerwehr; Branddirektor Frieder Lieb, Bezirksbrandmeister Regierungspräsidium Stuttgart,
  • Brandschutz während der Sanierungsphase des Michaelstunnels; Brandoberamtsrat Dipl. Ing. Martin Buschert, Kommandant Feuerwehr Baden-Baden,
  • Brandschutz während des Baus des Scheibengipfeltunnels; Stadtbranddirektor Harald Herrmann, Kommandant Feuerwehr Reutlingen.

Im Bereich Einsatztechnik berichteten Schweizer Feuerwehrkollegen über praxisorientierte Versuche mit Kreislaufgeräten (Regenerationsgeräte für Brandeinsätze in Tunnelanlagen. Ein kritischer Erfahrungsbericht; Heinz Liebhart, Bereichsleiter Ausbildung Feuerwehr, Gebäudeversicherung Zürich GVZ; Pascal Eichmann, Leiter Fort- und Weiterbildung, Berufsfeuerwehr Wache Nord, Schutz & Rettung Zürich; Beat Sallenbach, Kommandant Stützpunktfeuerwehr Wallisellen; Fredrik Meier, Betriebsökonom FH, Produktmanager Feuerwehr, Dräger Safety Schweiz AG).

Ihr Fazit: Unter hoher Wärmebelastung kommen die Träger von Regenerationsgeräten rasch an ihre Leistungsgrenzen. Deshalb muss der Einsatz dieser Geräte intensiv trainiert werden, um beispielsweise spezielle Atemtechniken zu entwickeln. Ist dies nicht möglich oder erscheint der Aufwand in Relation zur Häufigkeit des Ersteinsatzes dieser Geräte zu gross, sollten eher Langzeit-Pressluftatmer genutzt werden.

Im Anschluss wurde auf Einladung den Schadenwehr Gotthard der Gotthard-Tunnel inklusive Leitzentrale und Wache besichtigt.

Der zweite Tag des Kommandanten-Forums stand im Zeichen der Didaktik mit folgenden Vorträgen:

  • Möglichkeiten und Grenzen der Simulation; Christian Brauner, MSc, Leiter Entwicklung, International Fire Academy,
  • Praktische Erfahrungen mit der Erfahrungsdidaktik; Andreas Meyer, Pädagoge, Landesfeuerwehrschule Baden-Württemberg, Bruchsal.

Zum dritten Kommandanten-Forum vom 24. bis 26. September 2014 wird die International Fire Academy wiederum nach Balsthal einladen.

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