Wertvolle Versuche

  13. April 2012

In Zusammenarbeit mit der Schadenwehr Gotthard führte die International Fira Academy ifa im Herbst 2011 in einem stillgelegten Baustellen-Zufahrtstunnel Brandversuche durch. Das Ziel war es, Einsatztechniken unter Einsatzbedingungen auf ihre Tauglichkeit zu testen.

Die drei wichtigsten Ergebnisse:

1. LED-Markierleuchten sind bei dichter Verrauchung gut zu erkennen.

2. Die Gefahr der Verrauchung vor den Portalen ist grösser als erwartet.

3. Die Lufttemperaturen im Arbeitsbereich sind relativ niedrig.

Der 170 m lange Tunnel bietet heute ideale Bedingungen für gelegentliche Versuche: In zwei Durchgängen wurde je ein Personenwagen in Vollbrand gesetzt und abgewartet, bis die Röhre vollständig verraucht war. Damit konnten UVA-Instruktoren die Nützlichkeit von Wärmebildkameras und die Tauglichkeit von LED-Leuchten testen, wie sie die International Fira Academy ifa zur Markierung, beispielweise von Notausgängen, empfiehlt.

Sogar durch sehr dichten Rauch hindurch sind die verschiedenfarbigen Markierleuchten bei Distanzen bis zu etwa 7 Metern eindeutig als solche zu erkennen. Praktische Konsequenz: Sie eignen sich gut zur Markierung von Stellen, die "auf dem Weg liegen". Werden die Leuchten hingegen auf der "anderen Seite" des Tunnels platziert, sind sie bei starker Verrauchung möglicherweise nicht zu sehen. Weiter zeigte sich: Bereits bei der geringen Brandleistung eines Personenwagens geht die Sicht rasch auf null. Wärmebildkameras erlauben, wenn sie richtig eingesetzt werden, selbst im dichtesten Rauch problemlos eine gute Orientierung. Deshalb wird die International Fira Academy ifa weiter dafür plädieren, in verrauchten Tunnelabschnitten möglichst alle Trupps mit Wärmebildkameras auszustatten.

Bei gewöhnlichen Wetterbedingungen (18 °C, Windstille, 926 hPa) breitete sich der Rauch bei beiden Brandversuchen nach Austritt aus dem Tunnel waagrecht und bodennah vor dem Portal aus. Noch in einer Entfernung von 150 bis 200 m war die Brandgaskonzentration so hoch, dass Augen und Atemwege gereizt wurden. Praktische Konsequenz: Die International Fira Academy ifa wird künftig empfehlen, vor den Portalen eine grossräumige Sicherheitszone einzurichten, in der alle Einsatzkräfte schnellen Zugang zu Atemschutz haben sollten, und seien es "nur" Fluchthauben (diese vor allem für Sanitätsdienste, Polizei usw.).

Um sich ein Bild von der Wärmebelastung zu machen, wurden die Helme der Einsatzkräfte mit jeweils 6 Temperaturmessstreifen ausgestattet, die insgesamt den Bereich von 37 °C bis 380 °C abdeckten. Die höchste auf diese Weise gemessene "Helm-Aussentemperatur" betrug 45 °C. Diese niedrigen Temperaturen sind mit dem grossen Volumen des Tunnelraums zu erklären. Selbstverständlich sind bei höheren Brandlasten auch höhere Temperaturen zu erwarten.

Fazit dieser Versuchsreihe: Für die Interventionskräfte besteht die eigentliche Herausforderung bei Tunnelbränden im beschriebenen Ausmass weniger in den Lufttemperaturen, als vielmehr darin, weite Wege zu überwinden und in vollständig verrauchten Tunnelabschnitten sicher arbeiten zu können. Die International Fira Academy ifa führt regelmässig Versuche durch, um ihre Lehre weiterentwickeln zu können und sie auf deren Praxistauglichkeit zu überprüfen. Für 2012 sind unter anderem Versuche zur genaueren Bestimmung der bei Tunneleinsätzen durchschnittlich erzielbaren Vordringgeschwindigkeiten und Reichweiten, in Abhängigkeit vom Atemluftvolumen, vorgesehen.

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