Zwei Tunnel als Grossprojekt in Karlsruhe

  18. November 2014

Mit ihrer "Kombilösung" macht die Stadt Karlsruhe Schlagzeilen. Um die Verkehrssituation zu verbessern, werden zwei Stadtbahntunnel sowie ein Strassentunnel mitten in der Innenstadt gebaut. Die Feuerwehr Karlsruhe hat sich darauf u.a. mit einer Führungsschulung an der International Fire Academy vorbereitet.

Phase eins als Rettungswehr ist gestartet

Mit dem offiziellen Tunnelanstich am 18. November 2014 hat der Bau der ersten, 2.4 km langen Tunnelröhre für die Stadtbahn begonnen. Für diese Phase haben sich insbesondere die Feuerwehrangehörigen der Hauptfeuerwache Karlsruhe auf mögliche Einsätze als Rettungswehr vorbereitet. Oberbrandrat Dr. Markus Pulm verweist auf die Unterschiede zum späteren Fahrgastbetrieb: "Wir haben keine Laien im Tunnel, sondern ausschliesslich Mineure, die mit Selbstrettern ausgerüstet sind. Es sind ausgewiesene Fachleute, die sich entsprechend verhalten." Auch das Szenario ist überschaubar. "Im Grunde gibt es einen leeren Tunnel mit nur einer Zugangsöffnung und einer Maschine am Ende, die brennen kann."

Regenerationsgeräte nur beim Tunnelvortrieb

Nur für die Phase des Tunnelvortriebs wurden Regenerationsgeräte von einer anderen Feuerwehr übernommen. "Danach stellen wir wieder auf Pressluftatmer PA lang um", erläutert Markus Pulm. Diese Entscheidung beruht auf einer Erkenntnis, die Kollegen vom ersten Führungskräftetraining in Balsthal mitgebracht haben, das in Kooperation mit der Landesfeuerwehrschule organisiert worden war. "Mit Regenerationsgeräten könnten wir theoretisch zwei Stunden im Tunnel arbeiten. Aber: Was technisch möglich wäre, kann kein Feuerwehrmann aushalten." Hinzu komme die Verpflichtung zum regelmässigen Training und der Wartung der Geräte. "Im Umgang mit den Langzeitatmern sind die Atemschutzgeräteträger gut ausgebildet und haben Erfahrung aus anderen Einsätzen." Aus diesem Grund sollen die Kreislaufgeräte nach dem Tunnelvortrieb an eine andere Feuerwehr verkauft werden, die sich in einer ähnlichen Situation befindet.

Hintergrundwissen für Planungsgespräche

Insgesamt zwölf Führungskräfte der Karlsruher Feuerwehren hatten im Juli 2014 an der zweitägigen Multiplikatoren-Ausbildung in Balsthal teilgenommen, um sich auf das Grossbauprojekt in ihrer Stadt vorzubereiten. "Die Ausbildung war sehr inspirierend und hat massgeblich Einfluss darauf, was wir trainieren", resümiert Markus Pulm. Ziel sei es, das Schweizer System zu übertragen. Wichtige Ergebnisse der Ausbildung, die auf dem Basiskurs Strasse beruht, waren die Erfahrung, wie man sich im Tunnel ohne Sicht zwischen querstehenden Autos bewegt, das Suchen mit Suchstöcken, die Erkenntnis, das als sicher angenommene Bereiche verraucht sein können, die Disziplin beim Kennzeichnen wichtiger Orientierungspunkte mit LED-Warnlampen und das Erlebnis, wie viel Kraftanstrengung bereits das Kühlen der Infrastruktur erfordert. Ergänzend habe der Kurs wichtiges Hintergrundwissen für die Abstimmungsgesprächen über den Tunnelbau geliefert.

"Für die Nagelprobe in die Schweiz"

Bei 1'000 aktiven Einsatzkräften ist für Markus Pulm klar: Die grundsätzliche Schulung für Tunneleinsätze – etwa das Schlauchmanagement auf engem Raum und über lange Strecken, das Kühlen der Decken oder die Arbeit mit dem Suchstock – erfolgt in Karlsruhe. Doch für das Ausprobieren spezieller Themen und Fragestellungen sind für Pulm die Tunnel-Übungsanlagen der International Fire Academy mit den erfahrenen Instruktoren die erste Adresse. Sein Resümee: "Für die Nagelprobe geht es in die Schweiz."

Bildnachweis: (c) Fotos zum Tunnelvortrieb: Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft mbH (KASIG)

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