Nachgefragt: Ausbildung im eigenen Tunnel

  25. April 2017

Fünf Tage übten die zuständigen Feuerwehren im Bahnhof unter dem Terminal des Flughafens BER Berlin-Brandenburg (vgl. Ausbildungsreport "Fünf Tage Training im Tunnel" unter "Downloads"). Markus Vogt, Senior Instructor der International Fire Academy, war als Ausbilder dabei. Wir fragten ihn nach den Möglichkeiten und Grenzen einer solchen Ausbildung im eigenen Tunnel.

Eine fünftägige Übungsphase in einem Tunnel ist nicht gerade alltäglich.

Markus Vogt: Ja genau. Wenn der Flughafen erst einmal eröffnet ist, wird es eine solche Möglichkeit kaum mehr geben. Bei einem 24-Stunden-Betrieb bleiben für Übungen meist nur ein paar Nachtstunden. Die reichen nicht aus, um Waggons bereitzustellen und ein vergleichbares Szenario aufzubauen. Durch das intensive, mehrstündige Üben in ihrem Tunnel, der im Ernstfall zur Einsatzstelle wird, konnten die Feuerwehrangehörigen ihre Ortskenntnisse hervorragend erhöhen.

Man sollte also die Zeit vor einer Tunneleröffnung für umfangreiches Üben nutzen?

Markus Vogt: Auf jeden Fall. Dies bedingt aber, dass bereits vorher Wissen vermittelt und Detaillektionen zumindest am Standort geübt wurden. Ausserdem müssen die Instruktoren gut vorbereitet sein. In Berlin haben wir mit zwei Instruktoren der International Fire Academy fünf Ausbilder der Flughafenfeuerwehr unterstützt, die zuvor bei uns in der Schweiz einen Kurs für Multiplikatoren absolviert hatten. Mit solchem Personal kann man an einem Tag viel erreichen. Umgekehrt bedeutet das: Wenn vor einer solchen Übung Null Wissen vorhanden ist, bringt sie fast nichts.

Wie beurteilst Sie das Ergebnis der Ausbildung in Berlin?

Markus Vogt: Die Feuerwehrangehörigen haben so viel gesehen und erlebt. Wenn sie nur schon das korrigieren, was sie als verbesserungswürdig festgestellt haben, dann bedeutet das einen enormen Leistungszuwachs. Das heisst nicht, dass dann alles perfekt ist. Aber der gesamte Aufwand und die Kosten haben sich gelohnt.

Zum Vergleich: In Berlin haben wir in einer Woche mehr als 150 Feuerwehrangehörige ausgebildet. Hierfür müssten wir fünf Kurse an der International Fire Academy durchführen, was ein Mehrfaches der Kosten verursachen würde.

Viele Abläufe können beim Üben im eigenen Tunnel 1:1 wie in einem Einsatz umgesetzt werden. Wo liegen die Grenzen einer solchen Ausbildung? Was ist nicht mehr darstellbar?

Markus Vogt: Ursprünglich gab es die Überlegung, den Tunnel zu verrauchen. Das funktioniert bei einem solchen Volumen aber nicht mehr bzw. die Kosten für ein entsprechend grosses Gerät wären einfach zu hoch. Der Löschangriff wurde zudem ohne Feuer geübt. Das ist in einem realen Tunnel kaum anders möglich, ohne die Tunnelinfrastruktur zu gefährden.

Mit acht Waggons hatten wir in Berlin eine gute Ausstattung mit Rollmaterial. Diese „Möblierung“ mit Fahrzeugen ist meist ein grosses Problem – nicht nur in Bahntunneln. Bereits in Strassentunneln ist es ein grosser Aufwand, zehn Fahrzeuge zu platzieren. Und der Tunnel sieht dann doch noch fast leer aus. Zum Vergleich: Bei uns an der International Fire Academy sind die Techniker bis zu zwei Tage an der Arbeit, um die vielen Fahrzeuge auf knapp 300 m Tunnellänge neu zu platzieren. Dabei stehen die Fahrzeuge im Prinzip am Portal bereit. Ein solches Verkehrsaufkommen kann man in einem echten Strassentunnel kaum darstellen.

Was bedeutet das im Fazit?

Markus Vogt: Man sollte sich der Möglichkeiten und Grenzen der verschiedenen Ausbildungsmöglichkeiten bewusst sein. Es geht nicht um ein Entweder-Oder. Wir schauen vielmehr mit den Feuerwehren, die sich an uns wenden, welche Möglichkeiten sie haben und was man am Standort, in den Objekten bzw. in unseren Tunnel-Übungsanlagen machen kann und welcher Weg der jeweils passende ist. Dies hängt natürlich auch vom Budget ab. Für viele Feuerwehren ist daher bereits ein Gespräch mit uns sehr hilfreich um zu erkennen, welchen Bedarf sie haben und welche Optionen sich ihnen bieten.

Markus Vogt ist Senior Instructor der International Fire Academy und Leiter Kundenberatung. Er ist kontinuierlich im Gespräch mit Feuerwehren, die für einen Tunnel zuständig sind, erläutert Ausbildungsmöglichkeiten, begleitet Schulungen und Übungen am Standort bzw. in Tunnelanlagen und lehrt in den Tunnel-Übungsanlagen in Balsthal und Lungern sowie im Taktikzentrum der International Fire Academy. 

Den Ausbildungsreport als Download gibt es hier: "Fünf Tage Training im Tunnel“

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