Rückblick auf das 7. Kommandanten-Forum

  17. Dezember 2018

Beim 7. Kommandanten-Forum der International Fire Academy am 22. und 23. November in Basel stand zwar das Thema "Einsatzlehre Bahntunnel" im Mittelpunkt, dennoch wurden in den 15 Fachvorträgen und den erstmals angebotenen Taktik-Sessions Fragestellungen für Einsätze in allen unterirdischen Verkehrsanlagen thematisiert. Moderator Christian Brauner hat wesentliche Eindrücke von den beiden intensiven Tagen zusammengefasst.

Bahnereignisse mit vielen Betroffenen

Ob im Tunnel oder auf freier Strecke: Bei Bahnereignissen müssen wir mit vielen Betroffenen rechnen. Geht man von Ereignissen wie dem Zugunglück in Bad Aibling oder Übungen wie an der Neubaustrecke Nürnberg-Erfurt aus, werden sehr schnell mehrere hundert Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst und anderen Organisationen zu koordinieren sein. Dazu braucht es zwingend eine ausreichende Führungsunterstützung. Deshalb sollte beim Stichwort Bahnereignis sofort die Führung "hochgefahren werden", um die extrem hohe Arbeitsbelastung bewältigen zu können. Diese frühe Eskalation kann in der Einsatzplanung vorbereitet und sollte auch geübt werden.

Schlechte Kommunikation als Stressfaktor

Bei allen sieben Kommandanten-Foren bestätigten die Einsatz- und Übungsberichte immer wieder: Kommunikation spielt bei allen Einsätzen eine grosse Rolle, aber bei Ereignissen in unterirdischen Verkehrsanlagen sind die Kommunikationsbedingungen besonders schwierig. Sei es wegen des grossen Lärms der Lüftungsanlagen oder weil die Funkversorgung im Tunnel lückenhaft ist. Oder auch, weil es die grossen Distanzen z. B. zwischen den Portalen schwierig machen, alle Führungskräfte an einem Ort zu einer gemeinsamen Besprechung zusammenzubringen. Daher ist darauf zu drängen, dass die Funkversorgung optimal funktioniert. Und es ist gemeinsam zu üben, trotz räumlicher Trennung auch komplexe Fragestellungen zu besprechen und gemeinsam zu entscheiden. Daran müssen zwingend die Bahnunternehmen beteiligt werden, und möglichst sollten auch Polizei, Rettungsdienst usw. in diese "Kommunikations-Übungen" eingebunden werden.

Psychische Belastungen

Auch das haben wir gelernt: Bei Grossereignissen mit vielen Schwerverletzten haben wir keine Chance, "seelisch ungeschoren" davon zu kommen. Wir werden nicht allen optimal helfen können. Wir müssen schmerzliche Entscheidungen treffen. Und manche davon werden sich im Nachhinein als suboptimal oder auch als falsch erweisen. Hier hilft nur das Debriefing, gegebenenfalls auch mehrfach und auch mit einiger zeitlicher Distanz zum Ereignis; denn dieses kann über Wochen und Monate nachwirken.

Passend ist wichtiger als richtig

Jede unterirdische Verkehrsanlage ist anders. Und die Feuerwehren unterscheiden sich erheblich in ihren personellen und technischen Möglichkeiten. Deshalb gibt es wenig, was absolut falsch oder richtig ist. Die Praxisberichte der Kommandanten-Foren zeigen eindrücklich, dass jede Feuerwehr für "ihren" Tunnel passende Lösungen entwickeln muss, was oft auch viel Kreativität erfordert. Deshalb immer wieder die Anregung: Bei Tunnelneubauten muss die Feuerwehr bereits in der frühen Planungsphase eingebunden werden. Insgesamt gilt: "Tunnel-Feuerwehren" sollten sich möglichst intensiv austauschen, um aus den Erfahrungen anderer hilfreiche Anregungen für die eigene Situation gewinnen zu können.

Soziale Medien

Etwas hilflos, so die Erfahrungen aus sieben Kommandanten-Foren, stehen die Feuerwehren den Sozialen Medien gegenüber. Einerseits lernen wir alle gerade, Soziale Medien als Informationsquelle bei der Erkundung zu nutzen. Andererseits berichten viele über Störungen der Einsatzabläufe durch Hobby-Reporter, die noch dazu oft falsche Informationen verbreiten und/oder die Persönlichkeitsrechte von Betroffenen und Einsatzkräften missachten.

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