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Digitale Planspieltische im neuen Taktikzentrum

Die International Fire Academy hat ihr neues Taktikzentrum in Betrieb genommen. Grössere Räume und eine moderne digitale Planspieltechnik bieten deutlich bessere Ausbildungsbedingungen für Planspielübungen als wesentliches Element der Taktikausbildung. Das neue Taktikzentrum wird vermehrt auch für wertvolle Taktik-Workshops genutzt.

Die Grundidee: drei Räume


Die Grundidee ist geblieben: Drei benachbarte Räume repräsentieren die beiden Portalzonen und das Innere eines Bahn- oder Strassentunnels. Während der Planspielübungen sind die Zwischentüren geschlossen.

Die Führungskräfte können nur per Funk kommunizieren, was im Einsatz bekanntlich eine der grössten Herausforderungen darstellt.

Der Weg zur neuen Planspieltechnik

In der ersten Version unseres Taktikzentrums dienten noch gedruckte Tunnelpläne als Planspielunterlage, auf denen sich jedoch Vorgänge wie z. B. die Rauchausbreitung nicht geeignet darstellen liessen. Ab 2008 wurde deshalb versucht, dynamische Szenarien von oben auf die Tische zu projizieren. Das erwies sich als schwierig, weil die Übenden den Lichtstrahl blockierten. Dann kamen Kurzdistanzprojektoren auf den Markt, mit denen die jeweiligen Szenarien von unten auf eine folierte Glastischplatte projiziert werden konnten. Die Einsatzmassnahmen – beispielsweise ein Löschangriff – konnten auf die Glasplatte skizziert werden. Diese Technik war seit 2009 im Einsatz.

Als nun ein Umzug in grössere Räume geplant wurde, evaluierten wir, welche technischen Neuerungen wir nutzen können. Statt mit Projektoren werden die Szenarien nun im neuen Taktikzentrum mit Ultra High Definition (UHD)-Monitoren dargestellt, die wiederum mit Glasplatten abgedeckt sind, um weiterhin die taktischen Massnahmen aufmalen zu können.

Höhere Auflösung bedeutet mehr Details

Dank der deutlich höheren Auflösung sind die Szenarien klarer und leichter zu lesen, und es können auch Bilder oder Präsentationen in hoher Qualität gezeigt werden. Auch vorteilhaft: Anders als die Projektoren erzeugen die Monitore weder störende Geräusche noch grosse Abwärme, was die Kursteilnehmer im alten Taktikzentrum zumindest an warmen Tagen kräftig ins Schwitzen gebracht hatte.

Fahrzeugpark erweitert

Im Zuge der Weiterentwicklung des Taktikzentrums wurde auch der Miniatur-Fahrzeugpark erweitert. So können nun Szenarien mit nahezu allen Arten und Kombinationen von Schienen- und Strassenfahrzeugen durchgespielt werden. Einsatzkräfte und Betroffene werden nach wie vor mit Spielfiguren – oder wie die Schweizer sagen «Döggeli» – dargestellt.

Neue und grössere Räume


Das alte Taktikzentrum befand sich im dritten Obergeschoss unseres Hauptgebäudes. Um auch während des Neubaus einen unterbrechungsfreien Ausbildungsbetrieb zu ermöglichen, wurde die neue digitale Planspieltechnik in anderen Räumen im zweiten Obergeschoss installiert und dabei zugleich die Chance genutzt, die Arbeitsbedingungen zu optimieren. Im neuen Taktikzentrum steht Instruktoren und Kursteilnehmern nahezu doppelt so viel Platz zur Verfügung wie bisher. Insbesondere das Klassenzimmer ist nun erheblich grösser.

Komfortablere Steuerungstechnik

Basis aller Planspielübungen sind die sogenannten Szenario-Layouts, also Pläne von Strassen- und Bahntunneln mit vielen Variablen wie z. B. Länge, Anzahl und Anordnung von Röhren, Fahrstreifen, Gleisen, Querverbindungen und seitlichen Zugängen. Wie bisher werden diese Szenario-Layouts als PowerPoint-Präsentation erstellt und auf den Monitoren eingeblendet.

Da ein Szenario-Layout auf die vier Monitore eines Planspieltisches übertragen werden muss um das knapp 5 m lange Szenario darstellen zu können, wird das Signal durch einen sogenannten Splitter auf die vier Planspieltisch-Monitore aufgeteilt. Die Steuerung der drei Planspieltische und der zwei Wandmonitore erfolgt über einen eigens entwickelten Steuerstand. Von dort aus kann der Instruktor die Monitore einfach mit den jeweils notwendigen Szenario-Layouts bespielen.

Optimierte Abläufe

Durch den Wegfall der «Unterflur-Beamer» kann nun auch der Platz unter den Taktiktischen genutzt werden: Zahlreiche Schubladen unter den Monitoren bieten schnellen Zugriff auf alle Lehrmaterialien und die für die Planspiele genutzten Modellfahrzeuge. Dies erlaubt einen schnellen Umbau der Szenarien, so dass die Teilnehmer in jedem Kurs zusätzliche Szenarien durchspielen können.

Taktikzentrum als Labor und für Workshops


Das Taktikzentrum dient primär als Ausbildungseinrichtung für Führungskräfte und dazu, die taktischen Grundsätze für die Brandbekämpfung in unterirdischen Verkehrsanlagen zu vermitteln. Das Taktikzentrum ist aber auch ein Labor: Das Didaktik- und Entwicklungsteam der International Fire Academy nutzte und nutzt die Taktiktische für die Entwicklung der Schweizerischen Tunnel-Einsatzlehren.

Feuerwehren erarbeiten im Taktikzentrum regelmässig in sogenannten Taktik-Workshops anlagenspezifische Vorgehensweisen spezifisch für die Tunnels in ihrem Einsatzgebiet. So wurde beispielsweise die Intervention der Schweizerischen Bundesbahnen für den Gotthard-Basistunnel in Balsthal erarbeitet. Und auch die Entwicklung des Einsatzkonzeptes für den Fehmarnbelt-Tunnel fand unter Moderation der International Fire Academy in Balsthal statt.

Für solche individuellen Workshops kann statt der Standardszenarien jede Tunnelanlage und jedes nur erdenkbare Szenario auf den Taktiktischen dargestellt und effektiv diskutiert werden.