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Such- & Rettungstrupps bleiben im Bahntunnel nahe zusammen

Im Übungsbetrieb der International Fire Academy zeigte sich, dass die Angehörigen eines Such- & Rettungstrupps auf unterschiedliche Art und Weise koordiniert werden können. Aber welche Variante ist die beste? Das Didaktik- und Entwicklungsteam der International Fire Academy hat die komplexe Problematik analysiert und empfiehlt nun, standardmässig die sicherste Vorgehensweise zu wählen: Der gesamte Such- & Rettungstrupp, einschliesslich des Truppchefs, bleibt räumlich so eng zusammen wie möglich.

Erste Frage: Standort Truppchef?


Die Einsatzlehre Bahntunnel der International Fire Academy empfiehlt: «Die Tunnelröhre ist stets über die ganze Breite einschliesslich des betroffenen Zuges abzusuchen. Dazu werden eingesetzt: je ein Trupp auf beiden Seiten neben dem Zug, ein Trupp im Zug, ggf. ein zusätzlicher Trupp im Zug für das obere Deck von Doppelstockwagen. Die Trupps werden vom Chef Suchen & Retten koordiniert.» Offengelassen hatte die verschriftlichte Lehre, wie sich Chef und Trupps zueinander positionieren sollten. Das Didaktik- und Entwicklungsteam diskutierte die in der nachstehenden Grafik skizzierten Varianten zunächst im Hinblick auf den Standort des Truppchefs.

Bei Variante 1 führt der Chef vom Portal oder einem Notausgang aus. Bei Variante 2 geht der Chef zwar mit in die Röhre, bleibt aber ausserhalb des Zuges, beispielsweise an der Zugspitze. Bei diesen beiden Varianten besteht jedoch die Gefahr, dass der Funkverkehr durch häufige Nachfragen stark belastet wird oder der Funkkontakt sogar ganz abreisst. Deshalb wird empfohlen, dass der Chef bei dem Zweiertrupp im Zug bleibt, wie in Variante 3 dargestellt.

Zweite Frage: Trupp-Zusammenhalt?


Die einzelnen Zweiertrupps können unterschiedlich schnell vorankommen, z. B. weil das Suchen im Zug mehr Zeit in Anspruch nimmt als ausserhalb des Zuges. Um hilfsbedürftige Personen möglichst schnell zu finden, könnte es also sinnvoll sein, die einzelnen Trupps so schnell vordringen zu lassen, wie es ihnen möglich ist (vgl. Variante 4). Bei dieser Vorgehensweise reisst der Such- & Rettungstrupp jedoch auseinander, und die Zweiertrupps können sich nicht mehr gegenseitig sichern und unterstützen.

Deshalb empfiehlt die International Fire Academy Variante 5: Die Zweiertrupps sind zwar unterschiedlich schnell wie in Variante 5 a gezeigt. Sie treffen sich jedoch, wie in Variante 5 b gezeigt, immer wieder in Höhe zuvor definierter Sammelpunkte, beispielsweise am Ende oder an der letzten Tür eines Reisezugwagens.

Sicherheit hat höchste Priorität


Die Einsatzbedingungen für Such- & Rettungstrupps können sehr unterschiedlich sein. Im ungünstigsten Fall sind die Einsatzkräfte einer sehr starken Verrauchung ausgesetzt. In einem anderen Fall mag freie Sicht entlang des gesamten Zuges gegeben sein. Dies bedeutet: Welche Vorgehensweise die beste ist, wird immer nur situativ zu entscheiden sein. Da die Sicherheit der Einsatzkräfte jedoch an erster Stelle steht, ging das Didaktik- und Entwicklungsteam bei der Formulierung der Einsatzregeln für Such- & Rettungstrupps von der ungünstigsten Situation aus.

Einsatzregel für Such- & Rettungstrupps


Auf Grundlage der zuvor geschilderten Überlegungen wurde die Einsatzlehre Bahntunnel um folgende Einsatzregel für das Suchen & Retten im Rauch in Bahntunneln ergänzt: 

  • Grundsatz: Sicherheit geht vor Effizienz.
  • Alle Trupps und der Truppchef bleiben räumlich eng zusammen.
  • Bei unterschiedlichen Vordringgeschwindigkeiten sammeln sich die Trupps an zuvor vereinbarten Stellen, z. B. beim Übergang in den nächsten Wagen oder bei der letzten Tür des Wagens.

Wenn die Situation es zulässt, (gute Sichtbedingungen etc.), können die Trupps ausserhalb des Zuges schneller vordringen als die im Wagen.

Einsatztauglichkeit muss sich erweisen


Ob diese Einsatzregel auch einsatztauglich ist, muss sich erst erweisen. Denn Brandeinsätze in Bahntunneln sind glücklicherweise selten. Deshalb liegen uns keine Berichte vor, ob die von uns vorgeschlagene Vorgehensweise auch unter realen Einsatzbedingungen so angewandt werden kann und tatsächlich hilfreich ist. Bis dahin bleibt nur, diese Technik im Übungsbetrieb zu praktizieren und ggf. weiter zu optimieren. Für entsprechende Rückmeldungen aus der Übungs- und Einsatzpraxis der Feuerwehren sind wir dankbar.