Brand im Belchentunnel: Wenn Sicherheit den Takt vorgibt.

Ein Fahrzeugbrand im Tunnel zählt zu den schlimmsten Vorstellungen vieler Autofahrer. So auch am 11. August 2025, als im Belchentunnel auf der A2 ein Personenwagen in Flammen stand. Verletzt wurde niemand, doch der Vorfall zeigt eindrücklich, wie zentral richtiges Ver-halten und bewährte Sicherheitskonzepte sind. Was ist im Ernstfall zu tun? Wie arbeitet die Feuerwehr im Tunnel? Und warum wird oft der ganze Tunnel gesperrt, wenn es brennt? Ein Blick auf das Ereignis und die Lehren daraus.

Feuer im Tunnel: der Ernstfall im Belchen


Montagnachmittag, kurz nach 15:30 Uhr: Im Belchentunnel auf der Autobahn A2 gerät ein grauer Kombi in Fahrtrichtung Basel in Brand. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte steht das Fahrzeug bereits in Vollbrand. Dichter Rauch füllt rasch die Röhre. Die Feuerwehr bringt den Brand zwar schnell unter Kontrolle, doch während der Lösch- und Bergungsarbeiten muss der Tunnel in beide Richtungen komplett gesperrt werden. Erst rund 90 Minuten später kann die Gegenröhre (Richtung Bern/Luzern) wieder geöffnet werden; die betroffene Fahrtrichtung Basel bleibt sogar drei Stunden lang zu. Verletzt wird glücklicherweise niemand. Dennoch zeigt dieses Ereignis exemplarisch, wie Sicherheit den Takt vorgibt: Bis alles sicher ist, steht der Verkehr still.

Richtiges Verhalten im Tunnelbrand


Ein Tunnelbrand ist ein Ausnahmezustand. Umso wichtiger ist es, dass Autofahrer sofort richtig reagieren. Offizielle Verhaltensanweisungen des Bundesamts für Strassen (CH) betonen: Nie wenden oder rückwärtsfahren! Stattdessen: Fahrzeug, wenn immer möglich, an den Rand stellen, Motor abstellen und Zündschlüssel stecken lassen, Warnblinker einschalten und das Auto umgehend verlassen (Tiere im Kofferraum nicht vergessen). Anschliessend sollte man sich so schnell wie möglich zu den grünmarkierten Notausgängen begeben und den Tunnel darüber verlassen. Andere Verkehrsteilnehmer warnt man am besten mit Handzeichen oder der Hupe kurz vor dem Anhalten. Eigene Löschversuche mit dem Feuerlöscher sind nur bei Entstehungsbränden sinnvoll. Steht das Fahrzeug bereits in Vollbrand, bringt man sich selbst in Sicherheit und überlässt die Brandbekämpfung der Feuerwehr.

Vorbeugend gilt bereits vor und während der Tunnelfahrt: Abblendlicht einschalten, Radio mit Verkehrsfunk laufen lassen und auf Hinweisschilder achten. Im Stau unbedingt den Warnblinker nutzen und genügend Abstand zum vorderen Auto (mindestens 5 Meter) halten, um Raum für Rettungsfahrzeuge zu schaffen. Wird man im Tunnel aufgefordert anzuhalten (etwa durch Ampeln oder Durchsagen), unbedingt Folge leisten; die Verkehrsleitzentrale kann bei Gefahr den Verkehr sofort stoppen. Moderne Strassentunnel verfügen über Ampeln, Schranken oder Leuchtanzeigen, die im Ernstfall rot zeigen und so weitere Fahrzeuge am Einfahren hindern. Diese Technik trat z.B. im Belchentunnel sofort in Aktion, als die Brandmeldeanlage auslöste. Für alle bereits im Tunnel befindlichen Personen heisst es dann: Ruhe bewahren und den Anweisungen folgen.

Notausgänge in Tunneln sind mit grünen Schildern gut gekennzeichnet. Sie führen entweder in einen Schutzraum, eine sichere Parallelröhre, einen Sicherheitsstollen oder gar direkt ins Freie. Wer zu Fuss flüchtet, sollte möglichst nicht durch Rauch laufen. Ist die Rauchentwicklung jedoch schon so stark, dass man den nächsten Ausgang nur noch durch eine Rauchschicht erreichen kann, muss man sich niedrig halten, die Wand zur Orientierung nutzen und den Tunnel schnellstmöglich über einen Notausgang verlassen. Wichtig: Niemals zur Fahrbahnmitte laufen oder zurück zum Fahrzeug. Der nächste Notausgang ist in der Regel nicht weit, auch wenn es im dichten Rauch weiter erscheint, als es tatsächlich ist. Lieber einige Sekunden investieren, um ein Notausgangsschild auszumachen, als in Panik ziellos durch den Tunnel zu rennen.

Selbstrettung hat oberste Priorität


Warum all diese Verhaltensregeln? Weil bei einem Brand im Tunnel jede Minute zählt. Im Brandfall steht die Selbstrettung der Verkehrsteilnehmenden im Vordergrund. Moderne Tunnel sind so ausgestattet, dass sie die Selbstrettung unterstützen: klare Fluchtweg-Markierungen, Notbeleuchtung, Notruftelefone, Lüftungen und Notausgänge schaffen die Voraussetzungen, dass sich Eingeschlossene selbst in Sicherheit bringen können. Denn selbst die am besten ausgerüstete Feuerwehr braucht Zeit, um zum Einsatzort vorzudringen. Jeder Tunnelnutzer kann bis zum Eintreffen der Rettung auf sich allein gestellt sein, daher kommt es auf die richtige Eigenreaktion an.

Die Erfahrung zeigt allerdings, dass sich Menschen unter Stress nicht immer ideal verhalten. Die Auswertung von Tunnelereignissen hat gezeigt: Tunnelnutzer folgen nicht unbedingt den ausgewiesenen Fluchtwegen. Sie versuchen alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um aus einem Tunnel herauszukommen: Wenden, Zusteigen in andere Fahrzeuge, Fluchtversuche zu Fuss durch die Tunnelröhre zum Portal. Manche zögern sogar, ihr Auto überhaupt zu verlassen, aus Sorge um Wertsachen oder weil sie glauben, Hilfe käme jeden Moment. Dieses natürliche Verhalten kann lebensgefährlich sein. Befolgen Sie deshalb die Anweisungen und verlassen Sie im Brandfall sofort Ihr Fahrzeug in Richtung Notausgang. Ihr Auto ist ersetzbar, Ihr Leben nicht.

So arbeitet die Feuerwehr im Tunnel


Bei einem Brand im Tunnel läuft hinter den Kulissen ein eingespieltes Rettungskonzept an. Verkehrsleitzentralen überwachen den Verkehr rund um die Uhr. Registrieren sie Rauch, Wärme oder steht ein Auto in Flammen, schlagen automatische Systeme Alarm. Sofort werden die zuständigen Feuerwehren aufgeboten. In der Schweiz rücken diese Feuerwehren mit speziell geschulten Einsatzleitern, Atemschutztrupps und angepasster Ausrüstung aus. Viele Kantone halten für Autobahntunnel eigene Lösch- und Rettungsfahrzeuge bereit, oft kompakter gebaut, um in engen Tunnelprofilen manövrieren zu können. Gleichzeitig übernimmt die Tunnelventilation eine entscheidende Rolle: Sie wird so gesteuert, dass Rauch von den Menschen weg und idealerweise in eine Richtung aus dem Tunnel geblasen oder abgesaugt wird. Dadurch schaffen die Betreiber eine rauchfreie Fluchtzone auf der anderen Seite des Brandes und erleichtern der Feuerwehr den Zugang.

Die erste Priorität der Feuerwehr ist stets die Menschenrettung. Trupps unter Atemschutz suchen den Tunnel systematisch nach Personen ab. Aufgrund des vielfältigen Fluchtverhaltens – manche bleiben beim Fahrzeug, andere laufen vielleicht entlang der Tunnelwand oder verstecken sich aus Angst – müssen die Einsatzkräfte alle Bereiche absuchen. Sie kontrollieren jede Nische, öffnen Notrufnischen und Technikräume, suchen unter abgestellten Fahrzeugen, um sicherzugehen, dass niemand übersehen wird. Gleichzeitig ist besondere Vorsicht geboten: Es kann immer passieren, dass ein Autofahrer in letzter Sekunde doch noch mit dem Wagen fliehen will. Daher rechnen die Feuerwehrleute im Tunnel grundsätzlich mit fahrenden Fahrzeugen während des Einsatzes. Diese Kombination aus Rettung und Eigenschutz erfordert hohe Professionalität.

Parallel zur Suche beginnen die Löschmassnahmen. In Nationalstrassentunneln stehen den Einsatzkräften alle 150 Meter Löschwasser-Hydranten zur Verfügung. Die Feuerwehr bringt zudem sogenannte Tanklöschfahrzeuge mit. Mit Brandschutzausrüstungen, Wärmebildkameras und weiterem Material rücken sie zum Brandherd vor, während andere Trupps von der Gegenrichtung vorgehen, sofern der Tunnel beidseitig zugänglich ist. Dieses Vorgehen von zwei Seiten bietet taktisch mehr Möglichkeiten, setzt aber eine klare Koordination und sichere Kommunikation voraus. Hier zahlt sich die spezialisierte Schweizer Ausbildung aus: An der (u. a.) von der Basellandschaftlichen Gebäudeversicherung mitfinanzierten International Fire Academy in Balsthal trainieren Feuerwehrleute aus der ganzen Schweiz (und Europa) realitätsnah den Tunnel-Ernstfall. In Übungstunneln mit echten Feuern lernen sie das taktische Vorgehen, Lüftungsmanagement, Suchtechniken im Rauch und Brandbekämpfung unter extremen Bedingungen. Dieses Training hat die Sicherheit bei Tunnelbränden wesentlich erhöht.

Warum bei einem Brand oft beide Röhren gesperrt werden


Wie im Belchentunnel geschehen, werden bei einem Tunnelbrand häufig beide Tunnelröhren für den Verkehr geschlossen. Dahinter steckt ein wichtiger Sicherheitsgrund: Personenschutz und Zugangswege. In vielen modernen Doppelröhrentunnel sind die Röhren durch Querstollen verbunden, die als Fluchtwege dienen. Brennt es nun in Röhre A, flüchten die Menschen über die Notausgänge meist in die benachbarte Röhre B – diese muss dann natürlich frei von Gefahr sein. Würde der Verkehr dort ungebremst weiterlaufen, wären die Evakuierenden gefährdet. Zudem nutzen Rettungskräfte die intakte Tunnelröhre oft als Einsatzzugang: Beispielsweise kann die Feuerwehr von der Gegenseite bis zu einem Querstollen vorfahren und von dort zum Brand vordringen. Eine temporäre Vollsperrung beider Röhren ist daher ein essenzieller Teil des Einsatzkonzepts, um ungestörte Rettungsarbeiten und eine sichere Selbstrettung zu gewährleisten. Erst wenn die Situation unter Kontrolle ist, etwa der Brand gelöscht und der Rauch weg ist, wird die nicht betroffene Röhre schnellstmöglich als erste wieder freigegeben.

Ein weiterer Aspekt ist die Rauchentwicklung: Je nach Tunnelbelüftung kann Rauch durch Querverbindungen oder Lüftungsschächte auch in die Nachbarröhre gelangen. Durch die Komplettsperrung verhindert man, dass Fahrer in eine gefährliche Rauchwolke geraten. Automatische Systeme stellen die Ampeln vor Schweizer Nationalstrassentunneln daher im Ereignisfall auf Rot, um jeglichen Verkehrszufluss zu stoppen.

Gefährliche Irrtümer: Was viele falsch einschätzen


Die Erfahrung aus echten Vorfällen und Übungen deckt einige häufige Irrtümer auf, denen Autofahrer unterliegen:

«Ich kann noch schnell durch den Rauch hindurchfahren.»
Falsch! Bereits wenige Atemzüge heisser Rauchgase können tödlich sein. Im dichten Rauch sieht man nichts mehr, verliert die Orientierung und riskiert einen Unfall oder eine Rauchvergiftung. Tatsächlich versuchen manche Fahrer dennoch, an einem brennenden oder rauchenden Fahrzeug vorbeizufahren. Doch dieser Fluchtversuch ist lebensgefährlich – Rauch und Hitze breiten sich schneller aus, als man erwartet. Die einzig richtige Entscheidung: Sofort anhalten und zu Fuss in den nächsten sicheren Ausgang flüchten.

«Im Auto bin ich geschützt und kann abwarten.»
Dieser Impuls ist verständlich, aber trügerisch. Das Auto bietet keinen ausreichenden Schutz vor toxischen Rauchgasen – im Gegenteil, es kann zur Falle werden. Zudem würde man wertvolle Zeit verlieren. Wer wartet, bis Hilfe eintrifft, bringt sich unnötig in Gefahr. Die Feuerwehr betont, dass jede Minute zählt und zögert selbst oft keine Sekunde: Sie rechnet damit, dass sich Menschen spät entscheiden und trainiert, auch in stehenden Fahrzeugen nach Betroffenen zu suchen. Besser ist, Sie bringen sich eigenständig in Sicherheit, sobald es die Situation zulässt.

«Andere reagieren schon richtig – ich kann mich an der Masse orientieren.»
In Panik kann es zu Fehlreaktionen in der Gruppe kommen. Beispielsweise wurden Fälle beobachtet, in denen mehrere Personen im Tunnel blieben, sich gegenseitig beruhigten oder sogar zurück Richtung Portal liefen, anstatt den nächsten Notausgang zu nehmen. Verlassen Sie sich daher nicht blind auf das Verhalten anderer, sondern folgen Sie den ausgeschilderten Rettungswegen. Jede Tunnelröhre ist mit mehreren Notausgängen ausgestattet. Nutzen Sie diese konsequent, auch wenn andere zögern.

«Die Feuerwehr findet mich schon, egal wo ich bin.»
Die Feuerwehr sucht zwar jeden Winkel ab, doch bedenken Sie: In einem weitläufigen Tunnel können Minuten wie Stunden erscheinen, wenn man eingeschlossen ist. Machen Sie es den Rettern nicht unnötig schwer. Gehen Sie aktiv den nächsten Fluchtweg entlang, melden Sie sich per Notruftelefon (diese sind alle 150 bis 300 Meter verfügbar) und geben Sie Ihren Standort durch, falls möglich. So erhöhen Sie Ihre Überlebenschance erheblich.

Fazit


Der Fahrzeugbrand im Belchentunnel vom 11. August 2025 endete glimpflich, auch dank modernen Sicherheitssystemen, schnellem Feuerwehreinsatz und dem richtigen Verhalten der Beteiligten. Solche Ereignisse führen vor Augen, dass in Sachen Tunnelsicherheit jeder seinen Part hat: Die Basellandschaftliche Gebäudeversicherung und das Bundesamt für Strassen investieren kontinuierlich in bessere Technik und Trainings, die Einsatzkräfte proben den Ernstfall an der International Fire Academy und die Verkehrsteilnehmer selbst müssen die Verhaltensregeln kennen und beherzigen. Wenn im Tunnel Feuer ausbricht, gibt die Sicherheit den Takt vor und alle müssen bereit sein, im richtigen Moment den entscheidenden Schritt zu tun.

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