Interschutz 2026: Ausbilden am Standort mit bewährter Erfahrungsdidaktik

Ausbilden und Üben am Standort sind die neuen Themen, mit denen sich die International Fire Academy zum Thema Brandeinsätze in Bahn- und Strassentunneln auf der Interschutz präsentiert. Das Fachbuch «Üben am Standort» und ein neues Angebot als Ergänzungen der bisherigen Kurse sollen zu einem nachhaltigen Lehren und Lernen beitragen.

Urs Kummer, Akademieleiter, erläutert im Interview die Hintergründe hierzu.

Nachhaltigkeit in der Feuerwehrausbildung


Nachhaltigkeit ist ein Fokusthema der Interschutz 2026. Doch Nachhaltigkeit in der Ausbildung scheint nicht das Gleiche zu sein wie Energie zu sparen und Ressourcen zu schonen. Worin liegt der Unterschied?

Zunächst möchte ich betonen, dass auch wir an der International Fire Academy danach streben, unsere Energie- und sonstigen Ressourcenverbräuche so gering wie möglich zu halten. Das passiert im Hintergrund und ist für uns selbstverständlich. Wenn wir aber über nachhaltiges Lehren und Lernen sprechen, dann geht es um unsere Kernaufgabe: Feuerwehrangehörige auf Einsätze in Tunneln vorzubereiten.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für dich in diesem Zusammenhang?

Auch bei nachhaltigem Lehren und Lernen geht es um wichtige Ressourcen – vor allem um Zeit und Aufmerksamkeit. Wir erwarten keineswegs, dass im Idealfall alle Feuerwehrangehörigen alles verinnerlichen und anwenden können, was wir in unseren Ausbildungen vermitteln. Unser Verständnis von Nachhaltigkeit ist vielmehr,

  • dass Feuerwehrangehörige selektiv lernen und sich dasjenige aneignen, was für ihre Aufgabenerfüllung wirklich wichtig ist und
  • dass sie das so Gelernte auch nach langer Zeit und unter schwierigen Einsatzbedingungen möglichst zuverlässig abrufen und anwenden können. 

Dieses hohe Ziel können wir als Feuerwehrakademie nur in der Zusammenarbeit mit den Feuerwehren und deren Arbeit am Standort erreichen.

Das Dilemma aus Wahrscheinlichkeit, Ausmass und Aufwand


Warum möchte sich die International Fire Academy nun auch am Standort der Feuerwehren mehr einbringen?

Feuerwehrangehörige, die zu uns in die Ausbildung kommen, sind hochmotiviert. Gleichzeitig sehen wir ein Dilemma, das unmittelbar mit dem Thema Brandeinsätze in Tunneln verbunden ist: Tunneleinsätze sind selten und damit eigentlich ein Randthema im Feuerwehrdienst. Kommt es aber zu einem Tunnelbrand, können viele Menschen gefährdet sein und Feuerwehrangehörige sind grösseren Gefahren ausgesetzt als bei vielen anderen Einsätzen. Daraus ergibt sich ein hoher Aufwand für die Einsatzvorbereitung, dem – wenn alles gut läuft – vielleicht nie ein Einsatz gegenübersteht.

Was bedeutet das für das Engagement der International Fire Academy im Zusammenhang mit Ausbilden und Üben am Standort?

Unsere Kernkompetenz ist es, Einsatzkräfte auf Tunneleinsätze vorzubereiten. Wir beschäftigen uns tagtäglich inhaltlich damit: Wir werten Einsätze aus, machen Versuche, sind im Austausch mit vielen Feuerwehren und ermöglichen den Erfahrungsaustausch untereinander. Gleichzeitig reflektieren wir kontinuierlich unsere eigenen Ausbildungen: Wir holen Feedbacks ein, beobachten den Lernfortschritt, etwa wenn Feuerwehren zu Wiederholungskursen kommen, passen unsere Ausbildungen an und bilden unsere Instruktoren laufend weiter. Dadurch gelingt es uns, das Ausbildungsangebot für Feuerwehrangehörige stetig weiterzuentwickeln und noch nachhaltiger zu gestalten. Aber: Eine einmalige Ausbildung an der International Fire Academy genügt nicht, um alles Notwendige fest zu verankern; es braucht regelmässige Wiederholungen. Und das kann nur am Standort geleistet werden. Deshalb unser Engagement hinsichtlich «Ausbilden und Üben am Standort».

Relevante Erfahrungen ohne Übungstunnel sammeln?


Wozu das neue Fachbuch «Üben am Standort»?

Wir haben unsere Arbeit bisher vor allem im Kontext der Ausbildung, der Entwicklung der Lehren und im Zusammenhang mit unserer Ausbildungsinfrastruktur gesehen. Der Fokus lag dabei auf unserer inhaltlichen Arbeit. Viele unserer Teilnehmer sind selbst Ausbilder in ihrer Feuerwehr; sie haben uns zurückgespiegelt, dass nicht nur die Inhalte, sondern auch die Art, wie wir ausbilden, sie überzeugt hat. Wenn es dann um das Üben des Gelernten am Standort ging, tauchte immer wieder die Frage auf: Wie können wir unseren Feuerwehrangehörigen ohne einen Übungstunnel solche Erfahrungen ermöglichen?

Uns wurde schlagartig bewusst, dass ein «Rezeptbuch» für das Üben am Standort ein wertvoller Beitrag sein wird. Da nicht alle Feuerwehren in der Lage sind, eigenständig Ausbildungen und Übungen am Standort zu organisieren, haben wir uns zudem entschieden, diesbezüglich ergänzende Kurse anzubieten.

Ist das Üben ohne eine Ausbildungsinfrastruktur, wie diese an der International Fire Academy vorhanden ist, überhaupt möglich?

Feuerwehren können bei Ausbildungen an ihrem Standort nicht den gleichen Erfahrungsgewinn erzielen, wie wir ihn bei uns dank der einzigartigen Ausbildungsinfrastrukturen ermöglichen können. Die Ausbildung an der International Fire Academy bleibt daher weiterhin wegweisend. Das Ausbilden und Üben am Standort ist jedoch unerlässlich, um nach einer Erstausbildung das Gelernte zu verinnerlichen und Routinen zu entwickeln.

Und falls eine Erstausbildung an der International Fire Academy zunächst nicht möglich sein sollte, so ist eine Ausbildung am Standort deutlich besser als keine. Wir hatten uns deshalb im vergangenen Jahr überlegt, wie wir unsere Erfahrungsdidaktik auf die Ausbildung am Standort übertragen können. Bei der Entwicklung des Fachbuchs «Üben am Standort» haben wir noch einmal viel über uns und unsere didaktische Praxis gelernt. Wir haben ein «Rezeptbuch» für den Übungsdienst geschaffen. Doch entscheidend ist, dass die Ideen umgesetzt werden. Dabei wollen wir die Feuerwehren mit unserem Know-how aktiv begleiten

Ein organisch gewachsenes Angebot


Was beinhaltet das neuen Ausbildungsangebot für Ausbildungen am Standort?

Wir haben bereits in den vergangenen Jahren zahlreiche Feuerwehren am Standort ausgebildet. Aber es gab kein strukturiertes Angebot. Ab sofort können wir genau das anbieten.

  • In den «Tunnel Basics»-Kursen vermitteln wir das Grundverständnis und die praktischen Abläufe; wir führen auch Einsatzübungen durch – mit den Mitteln, die eine Feuerwehr an ihrem Standort zur Verfügung hat.
  • Im «Tunnel Tactics»-Kurs schulen wir Führungskräfte in taktischen und kommunikativen Planspielen; dabei arbeiten wir auch mit Plänen der Tunnel, die sich im Einsatzgebiet der jeweiligen Feuerwehr befinden.
  • Und im «Tunnel Trainer»-Kurs bilden wir Ausbilder der Feuerwehren zu sogenannten Multiplikatoren aus, um diese in die Lage zu versetzen, ihre Feuerwehrangehörigen selbst ausbilden zu können.

Was erwartest du persönlich von der Interschutz 2026?

Wir stehen auch in Zeiten von Künstlicher Intelligenz zu unserem Claim «Zuerst der Mensch». Für uns ist die Interschutz vor allem ein Ort der Begegnung und des Austauschs

Wir wollen über Neuheiten informieren, Fragen aufgreifen und Impulse für die weitere Entwicklung der International Fire Academy und die Zusammenarbeit mit Feuerwehren und anderen Rettungsdiensten sammeln. Daher freuen wir uns auf bekannte und neue Besucher am Messestand D02 in Halle 13 sowie bei den Vorträgen von Marianne Wernli und Clemens Pessel auf dem Forum der Interschutz.

Vielen Dank für das Gespräch.

Besuch an der Interschutz


Für alle, die ihren Besuch der Interschutz planen, haben wir alle Daten und Fakten zu unserem Messeauftritt zusammengestellt:

Übrigens – früh sein lohnt sich!


Jeden Messetag erhalten die ersten 20 Feuerwehren, die sich am Messestand über nachhaltiges Ausbilden und Üben am Standort informieren, ein Exemplar des neuen Fachbuchs «Üben am Standort» – und natürlich einen frischen Kaffee beim Austausch mit unseren Instruktoren.

Erfahren Sie mehr ...


...über Einsätze, Lehrunterlagen, Technik, bewährte Einsatzmittel, Gefahren und andere feuerwehrrelevante Themen in unseren zahlreichen Magazinbeiträgen.