Bahnunternehmen in Übungen und Ausbildungen am Standort einbeziehen

In unseren Bahn-Führungskursen für Schweizer Feuerwehren wirken stets Vertreter von Bahnunternehmen mit. Diese enge Zusammenarbeit hat sich hervorragend bewährt. Deshalb wollen wir Feuerwehren mit diesem Beitrag motivieren, die Bahnunternehmen in ihrem Zuständigkeitsbereich intensiv in Übungen und Ausbildungen am Standort einzubeziehen.

Was sind Bahnunternehmen?


Unter Bahnunternehmen verstehen wir zusammenfassend Infrastrukturbetreiber (ISB) und Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU). Die ISB, ausserhalb der Schweiz oft auch als Eisenbahninfrastrukturunternehmen (EIU) bezeichnet, sind für Bau, Unterhalt und Betrieb der technischen Anlagen von Bahnen zuständig. Die EVU betreiben die Schienenfahrzeuge. So kann es sein, dass Lokomotiven und Wagen eines Zuges unterschiedlichen EVU gehören, die auf den Schienen wiederum eines anderen Unternehmens (ISB) fahren.

Wichtigster Ansprechpartner: ISB-Vertreter

Wichtigster Ansprechpartner für die Feuerwehren sind bei Einsätzen im Bahnbereich die ISB-Vertreter, die je nach Nation unterschiedliche Bezeichnungen tragen. In der Schweiz heissen sie z. B. «Einsatzleiter Bahn», in Deutschland z. B. «Notfallmanager». Vertreter des involvierten EVU stehen zumindest in der Anfangsphase eines Einsatzes meist nicht vor Ort zur Verfügung, sieht man vom Fahrpersonal des havarierten Zuges ab. Wie die Bahn-Ansprechpartner in der Schweiz üblicherweise in die Führungsorganisation eingebunden sind, zeigt die folgende Grafik.

Feuerwehren können auf Bahnlagen nicht selbständig agieren


Bei Einsätzen auf Bahnanlagen treffen sowohl die Feuerwehren als auch die ISB zahlreiche Massnahmen, die aufeinander abgestimmt werden müssen. Einfach gesagt: Feuerwehren können auf Bahnanlagen nicht selbstständig agieren. So dürfen die Feuerwehren beispielsweise erst tätig werden, wenn die betroffenen Gleise gesperrt sind, was nur vom ISB veranlasst werden kann. Ein ISB-Vertreter ist aber auch erforderlich, um im Klartext zu erklären, was «Gleise gesperrt» in der konkreten Einsatzsituation genau bedeutet und auf welche Gefahren die Einsatzkräfte trotz Gleissperrung achten müssen.

Örtliche Bedingungen können sehr unterschiedlich sein

Auf Basis des Fachbuches «Brandeinsätze in Bahntunnel» sowie der zugehörigen «Merkblätter» vermittelt die International Fire Academy in ihren Bahn-Führungskursen die Grundlagen für sicheres und effizientes Arbeiten auf Gleisanlagen und in Bahntunneln. Das allein genügt aber nicht, weil die örtlichen Einsatzbedingungen sehr unterschiedlich sein können. So gibt es zwar allgemeine Orientierungswerte, wann z. B. mit dem Eintreffen des Notfallmanagers oder eines Lösch- und Rettungszuges zu rechnen ist. Je nach örtlicher Situation können diese Zeiten jedoch stark variieren. Deshalb sollten solche Fragen von den zuständigen Akteuren vor Ort geklärt werden, um Möglichkeiten und Grenzen erkennen und die gegenseitigen Erwartungen aufeinander abstimmen zu können.

Planspielübungen als Grundlage der Zusammenarbeit


Die International Fire Academy empfiehlt, ISB-Vertreter zu Planspielübungen einzuladen, bei denen konkrete Lagen gemeinsam durchgespielt werden. Die Kollegen der Bahnunternehmen können dann beispielsweise die taktischen Grundsätze der Feuerwehr besser nachvollziehen und diese gezielt durch Massnahmen der ISB unterstützen. Die Feuerwehr-Führungskräfte können umgekehrt Verständnis dafür entwickeln, dass Massnahmen der Bahnunternehmen mitunter sehr langwierig sind; etwa warum es so lange dauert, die Strecke für schienengebundene Einsatzfahrzeuge zum Einsatzort freizumachen.

Die «Bahnwelt» begreifbar machen


Die lokal zuständigen ISB-Vertreter können die Feuerwehrangehörigen auch darin unterstützen, die «Bahnwelt» mit ihrer eigenen Fachsprache als Ganzes besser zu verstehen. Etwa indem sie es ihnen ermöglichen, Tunnel zu begehen oder Reisezugwagen beispielsweise mit Spezialschlüsseln zu öffnen. Viele für Bahntunnel zuständige Feuerwehren berichten uns, dass solche gemeinsamen Aktivitäten nicht nur die Zusammenarbeit fördern, sondern von vielen Einsatzkräfte auch als abwechslungsreiche und interessante Ausbildung geschätzt werden. Im Idealfall ergeben sich aus der Zusammenarbeit mit den Bahnunternehmen auch gute Ideen für Einsatzübungen in einem Bahntunnel.

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...über Einsätze, Lehrunterlagen, Technik, bewährte Einsatzmittel, Gefahren und andere feuerwehrrelevante Themen in unseren zahlreichen Magazinbeiträgen.