Ausbilden in der Feuerwehr ist anspruchsvoller geworden. Die Teilnehmer haben höhere Ansprüche an das Üben, die Themenvielfalt ist grösser geworden, eine kürzere Zugehörigkeit von Feuerwehrangehörigen zu ihrer Feuerwehr führt rascher zum Verlust von verfügbarem Wissen und von Erfahrungen. Marianne Wernli, Leiterin Ausbildung an der International Fire Academy, erläutert, wie ihre Instruktoren diesen Herausforderungen im Ausbildungsalltag begegnen und was sich dabei bewährt hat.
Wie Teilnehmer erfahren, welche Fertigkeiten sie verbessern wollen
Der Einstieg in die UVA-Ausbildungen an der International Fire Academy ist kurz: eine Sicherheitseinweisung, einige Worte zur Taktik, etwas Hintergrundwissen. Dann starten die Teilnehmer sofort ins Tun. «Ouvertüre» (auf Deutsch «Eröffnung») nennt sich die erste Einsatzübung (siehe Aufmacherbild). Sie lässt die Teilnehmer unmittelbar erfahren, was sie beherrschen und was (noch) nicht. Sie realisieren, was sie verbessern können und wo sie unsicher sind und Fragen haben.

Es geht nicht darum, Fehler festzustellen, sondern am richtigen Punkt anzusetzen
«Der direkte Sprung ins Tun dient nicht dazu, Fehler festzustellen», betont Marianne Wernli. Vielmehr sollen Teilnehmer und Instruktoren eine gemeinsame Basis erhalten, auf welchem Wissen und welchen Fähigkeiten im jeweiligen Lehrgang aufgebaut werden kann, welche Fragen zu klären sind und worauf beim anschliessenden Üben besonders geachtet werden soll.
EBAT als Formel für den Lernprozess
Auch die International Fire Academy nutzt das in der Schweiz bewährte EBAT-Modell (siehe Box). «Wir beginnen mit einer Einsatzübung. Anschliessend ziehen wir zusammen mit den Teilnehmern Bilanz: Die Teilnehmer stellen fest, was sie bereits können und wo sie Fragen haben bzw. was nicht optimal funktioniert hat. In der Detailausbildung werden diese Fragen beantwortet und Möglichkeiten zur Verbesserung und Optimierung der Tätigkeiten gezeigt. In den anschliessenden Einsatzübungen (= Test) können sie das Gelernter vertiefen.».
Feedback: Kurz, und gut begründet
Nach der Einsatzübung ist ein konstruktives Feedback wichtig: «In 90 Sekunden ist alles Wichtige gesagt», so Marianne Wernli, «denn mehr als drei konkrete Verbesserungsvorschläge kann sich ohnehin fast niemand merken.» Dazu gibt Marianne Wernli noch einen Tipp: «Damit die Übenden das Feedback annehmen können, genügt es nicht zu sagen, wie sie etwas besser machen können. Ebenso wichtig ist zu erläutern, weshalb diese Verbesserung wichtig ist.»
Lernkurve zeigt Lernfortschritt unmittelbar
Die Lernfortschritt der einzelnen, von den Teilnehmern gebildeten Teams werden während eines Lehrganges fortlaufend durch die Instruktoren evaluiert. Hierbei werden immer mehrere Aufgaben beurteilt (z. B. Erkundung, Suchen & Retten, Brandbekämpfung). Das Konzept ist einfach: Die Bewältigung der einzelnen Aufgaben wird jeweils mit ungenügend, genügend, gut oder sehr gut bewertet und in einer Lernkurven-Grafik abgebildet. «Dadurch sehen wir im Lehrgangsverlauf, ob eine Steigerung eintritt oder nicht. Falls eine der Lernkurven an einem bestimmten Punkt stagniert oder gar absinkt, können die Instruktoren sofort darauf reagieren», erläutert Marianne Wernli das Konzept.

Das Risiko von Unfällen steigt, wenn die Konzentration nachlässt
Eine Beobachtung an den Lehrgängen ist wiederkehrend: Unfälle während Ausbildungen passieren meist dann, wenn die Konzentration nachlässt. «Deshalb achten wir sehr darauf, uns auf das wesentliche zu konzentrieren und die Lehrgänge inhaltlich nicht zu überladen. Und vor der letzten Übung – also wenn die Teilnehmer schon etwas müde sind und ihre Konzentration nachlässt – appellieren wir ganz bewusst: Konzentriert euch nochmals. Überlegt, was wichtig ist. Und geht dann in die Einsatzübung.»
Oft kleine Sequenzen als Erinnerungshilfe
Wenn Feuerwehrangehörige zu Wiederholungskursen kommen, wird das Gelernte zunächst mit kleinen Sequenzen wieder aktiviert. In der Ausbildung gelingt das schnell. Doch im Einsatz ist für solche «Aufwärmübungen» keine Zeit. Daher empfiehlt Marianne Wernli, auch am Standort regelmässig zu üben: «Am besten sind kleine, aber häufige Übungssequenzen.»

Weniger sprechen, mehr erleben lassen
«So wenig wie möglich sprechen, so viel wie möglich erleben lassen», ist das Credo und die Empfehlung von Marianne Wernli an alle Ausbilder. Natürlich muss die Aufgabenstellung bei einer Übung erklärt werden: «Das soll aber kurz und knapp sein», so die Ausbildungschefin der International Fire Academy.

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