© Feuerwehr Pfullingen

Tiefgaragenbrand mit extremer Rauchentwicklung

Erst auf der Anfahrt zum Brandereignis nahm Dietmar Rall, Kommandant der Feuerwehr Pfullingen, die Rauchsäule über dem Stadtgebiet wahr. Die Fahrzeuge in einer Tiefgarage brannten vermutlich noch nicht lange, als die ersten Einsatzkräfte eintrafen. Doch die beiden Mehrfamilienhäuser über der Tiefgarage standen bereits in dichtem schwarzen Rauch. Die Erkenntnisse aus diesem Einsatz fasst unser Magazinbeitrag zusammen.

Der Grund für die extreme Rauchentwicklung überraschte


Sehr schnell verbreitete sich in sozialen Medien die Vermutung, dass ein Elektrofahrzeug in der Tiefgarage in Brand geraten sein könnte. Dietmar Rall dachte aufgrund der extremen Rauchentwicklung zunächst an zehn oder noch mehr brennende Fahrzeuge. Doch später stellte sich heraus, dass drei brennende PKW älteren Baujahrs, darunter ein VW-Käfer mit Oldtimer-Kennzeichen, für diese unerwartet starke Rauchentwicklung verantwortlich waren. Wie die Situation bei einem Brand moderner Fahrzeuge mit deutlich höheren Brandlasten ausgesehen hätte, lässt sich nur erahnen.

Rauch zog aus der Tiefgarage auf die Häuserfronten zu

Die Tiefgarage verfügt auf der gesamten Länge über mehrere Rauchabzugsöffnungen. Ausserdem schien die Konzeption bei einem Brand in der Tiefgarage den Abzug von Rauch und Wärme weg von den Mehrfamilienhäusern zu unterstützen, die auf dieser Tiefgarage standen. Doch diese Erwartung wurde enttäuscht. Innerhalb kurzer Zeit standen beide Gebäude in dichtem Rauch. Günstig war, dass die Bewohner aufgrund der Aussentemperaturen von 5 °C alle Fenster geschlossen hatten und der Brand nicht zur Schlafenszeit ausgebrochen war. 

Zwei Einsatzabschnitte: Tiefgarage und Mehrfamilienhäuser


Für die Einsatzkräfte war zunächst nicht klar, ob das Hauptproblem an dieser Einsatzstelle der Tiefgaragenbrand oder die beiden Wohngebäude waren. Die Räumung eines der beiden Gebäude hatte bereits der dort wohnende stellvertretende Leiter der örtlichen DRK-Leitstelle organisiert. Auch das zweite Gebäude schienen zumindest die meisten Bewohner verlassen zu haben. Doch es war nicht absolut sicher, dass sich niemand mehr in einem der Gebäude aufhielt. Auch die Situation in den Treppenhäusern konnte von aussen nicht eingeschätzt werden. Als zweiter Fluchtweg wurde daher eine Drehleiter bereitgestellt.

Zwei Zufahrten zu den Häusern erschwerten die Raumordnung

Der Zugang zu den Häusern und zur Einfahrt der gemeinsamen Tiefgarage befinden sich an unterschiedlichen Strassen vor und hinter dem Wohnkomplex. Die Alarmierung erfolgte zur Häuserfront mit den Hauseingängen. Aufgrund seiner Ortskenntnisse konnte Dietmar Rall das erste Löschfahrzeug in die Sackgasse umleiten, die zur Tiefgarageneinfahrt führt. Insgesamt erwies sich die Raumordnung aufgrund der beengten Verhältnisse im Wohngebiet als Herausforderung, insbesondere für die nachrückenden Fahrzeuge.

Die Windrichtung verhinderte eine kritische Situation


Die Einsatzsituation hätte bei einer anderen Windrichtung dramatisch schlechter aussehen können: Dann wären möglicherweise ein Alten- und Pflegeheim mit 95 Plätzen, eine zur Zeit des Einsatzes genutzte Sporthalle und das Feuerwehrhaus gefährdet gewesen – mit weitreichenden Konsequenzen.

Löscherfolg bereits 25 Minuten nach der Alarmierung

Doch die Bedingungen waren günstig. Das galt auch für die Position der brennenden Fahrzeuge in der Tiefgarage: Sie standen in den Parknischen in der Nähe der Einfahrt. Ein Truppführer, der unmittelbar zuvor den Intensivkurs Tiefgarage der International Fire Academy absolviert hatte, ging mit vier Truppmännern unter Pressluftatmern und zwei C-Rohren zum Löschangriff vor. 25 Minuten nach der Alarmierung wurde «Feuer aus» gemeldet.

Schadensbild und -ausmass


Für den Einsatz war es wichtig, über die Energieversorger die Elektrizität und die Gasversorgung abstellen zu lassen. Das Schadensbild zeigte neben deutlichen Abplatzungen von der Tiefgaragendecke, dass Elektroinstallationen von der Decke hingen und Einsatzkräfte hätten gefährden können. Insgesamt brannten drei Personenwagen, zwölf weitere wurden zum Teil erheblich beschädigt. Der Gesamtschaden wird auf 500'000 bis 1 Mio. Euro geschätzt. Die Sanierungsarbeiten sind knapp eineinhalb Jahre nach dem Brand noch nicht abgeschlossen. 

Wohnungen blieben rauchfrei

Die Brandschutztüren in der Tiefgarage hielten den Belastungen stand. Eine Überdruckbelüftung von Seiten des Hauszugangs sicherte diesen Bereich zusätzlich gegen eine Verrauchung ab. Auch die Wohnungen blieben rauchfrei, so dass die Bewohner nach zwei Stunden in die zuvor kontrollierten Gebäude zurückkehren konnten. Die Entrauchung der Tiefgarage durch Einblasen von Luft auf einer Seite und unterstützendes Absaugen auf der gegenüberliegenden Seite erwies sich aufgrund der günstigen baulichen Situation innerhalb kurzer Zeit als sehr wirksam.

Die Feuerwehr Pfullingen (zwei Löschzüge) wurde bei diesem Einsatz von den Feuerwehren Reutlingen (ein Löschzug und Abrollbehälter Atemschutz), Metzingen (LUF zur Entrauchung der Tiefgarage) und Lichtenstein (Wachbesetzung des Feuerwehrhauses Pfullingen) sowie dem stellvertretenden Kreisbrandmeister unterstützt. 

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